Die Anstellung einer Führungskraft mit dem Ziel, das eigene Unternehmen nach einer ausreichenden Zeit der Einarbeitung und Beteiligung an unternehmerischen Entscheidungen an diese Persönlichkeit zu übergeben, kommt den Interessen beider Parteien entgegen: Zunächst ist zu entscheiden, ob die Intention des Unternehmers bereits im Einstellungsgespräch offengelegt werden sollte, oder erst im Zuge der Einarbeitung. Für beide Wege gibt es triftige Gründe, gleichwohl für die sofortige Klarstellung oft geworben wird. Für den Senior-Chef erfolgt eine sanfte Entwöhnung durch die schrittweise Übergabe von Verantwortung, was das mentale Problem des „Loslassens“ lösen kann. Für den Nachfolger in spe wird ein ideales Coaching durch den Unternehmer zu einer soliden Entscheidung zur Übernahme möglich.
Wie findet man nun diesen Kandidaten – und wie spricht man diesen an?
Berater aus mittelständischen Beratungen, die den Fokus auf Prozessoptimierung, Restrukturierung oder Digitalisierung legen, sind deswegen vielversprechend, weil sie oft jahrelang mittelständische Betriebe von innen gesehen, deren Fehler und Lösungen gesehen und begleitet haben. Sie bringen exzellente analytische Fähigkeiten, Marktverständnis und ein starkes Netzwerk mit, sind es gewohnt, sich schnell in neue Geschäftsmodelle einzufinden und viele davon werden dafür zu haben sein, nun selbst ins Eigentum kommen zu können.
Leitende Angestellte in der zweiten Führungsebene eines mittelständischen Unternehmens, idealerweise mit Schnittmengen zum eigenen Geschäftsmodell werden interessiert sein, weil die Eigentümerfamilie die absolute Spitze besetzt und für angestellte Manager kein Aufstieg in die echte Führung oder gar eine Beteiligung möglich ist. Sie beherrschen das operative Tagesgeschäft und können Führungserfahrung mit Teams ähnlicher Größe vorweisen. Der Wunsch nach echter unternehmerischer Freiheit ist hier nachvollziehbar.
Standortleiter oder erfahrene Account Directors aus dem Agentur- oder IT-Dienstleistungsumfeld, die das operative Geschäft und die Kundenbetreuung steuern, sind erfahren in moderner Kundenakquise und dem Aufbau effizienter, digitaler Prozesse.
Für die gezielte Ansprache gilt eine Grundregel: Sie verkaufen keine freie Stelle, sondern ein unternehmerisches Lebensprojekt. Menschen in diesen Positionen sind selten aktiv auf Jobsuche. Sie müssen emotional und rational dort abgeholt werden, wo ihr aktueller Job sie frustriert:
- Über LinkedIn etwa sprechen die Kandidaten über Ihr persönliches Profil an. Das wirkt extrem wertschätzend und authentisch. Führungskräfte im Mittelstand reagieren oft sehr positiv, wenn der Inhaber selbst schreibt.
- Wer es sich leisten will, schaltet einen spezialisierten Personalberater ein. Dieser spricht Kandidaten mit einem sogenannten "Blind Profile" (anonymisiertes Exposé Ihres Unternehmens) an, bevor er das „Geheimnis“ lüftet.